Imbolc Bedeutung & Lichtmess einfach erklärt

Kerstin Hirsch • 7. Februar 2022

Imbolc markiert den Übergang vom tiefen Winter in die erste spürbare Bewegung des Frühlings.

Es ist die Zeit, in der es noch kalt ist –
aber das Licht bereits deutlich zurückgekehrt und die Erde beginnt, sich zu verändern.

Oft wird Imbolc auf den 1. oder 2. Februar gelegt und mit Lichtmess verbunden.
Doch genau hier liegt die Krux:

Der Kalender bildet das, worum es eigentlich geht, nur sehr ungenau ab.

Was ist Imbolc?

Imbolc (auch Imbolg oder Oimelc) ist ein altes naturspirituelles Fest.Im Norden auch Dísting, Dísablód genannt (die Disen sind Naturgeister).

Der Name wird unter anderem gedeutet als:

  • „Rundum-Waschung“
  • „erste Schafsmilch“

Beides verweist auf Reinigung und beginnendes Leben.

Wir befinden uns in einer Zeit, in der:

  • noch Winter ist
  • die Sonne aber bereits Kraft bekommt
  • und sich unter der Oberfläche etwas bewegt 


Wann ist Imbolc wirklich?

 – Die Krux mit dem Kalender

Viele feiern Imbolc am 1. Februar.

Doch das entspricht nicht der ursprünglichen Praxis.

Die Kelten kannten keinen festen Kalender –
und schon gar nicht den gregorianischen Kalender, den wir heute verwenden.

Das Fest wurde nach dem Mond bestimmt:

👉 am zweiten Vollmond nach der Wintersonnwende, dem Vollmond im Löwen zwischen der Wintersonnwende und der Frühjahrsnachtundtaggleiche.

Das bedeutet:

Im Jahr 2022 fiel dieser Zeitpunkt auf den
👉 16. Februar um 8:17 Uhr

Das zeigt deutlich:

👉 Imbolc ist kein festes Datum, sondern ein Übergang in der Natur.


Die Qualität von Imbolc – das erste Erwachen

Wir merken diese Zeit ganz konkret:

  • wir werden aktiver
  • das Licht nimmt spürbar zu
  • die „Säfte steigen“ – nicht nur in der Natur, sondern auch in uns

Besonders sichtbar wird das an:

  • der Birke (Symbol für Neubeginn und die junge Göttin Birgit)
  • der Hasel /Blüht
  • Schneeglöckchen und Märzenbecher

Diese Pflanzen zeigen:
👉 Das Leben beginnt – auch wenn es noch nicht sichtbar ist.


Die junge Göttin und der neue Zyklus

Imbolc ist ein Fest der jungen Göttin Birgit, einer Naturgöttin gewidmet.

Diese Junge Frau ist frei von alten Erfahrungen, quasi ohne psychisches Gepäck , sozusagen Jungfräulich.

Sie löst die alte, weiße Frau ab:

  • Percht
  • Frau Holle

Die junge Göttin steht für:

  • Neubeginn
  • Leichtigkeit
  • Freiheit von alten Lasten

Naturspirituell bedeutet das:

👉 Alte Lasten abstreifen
👉 Platz schaffen
👉 bereit werden für den neuen Zyklus


Der männliche Gegenpol – der Bär und Belenus

Auch der männliche Aspekt gehört dazu.

Der Bär steht symbolisch für den Sonnengott Belenus.

Er hat den Winter über geschlafen –
im Schoß der großen Göttin.

Zu Imbolc beginnt er sich zu regen:

🐻 Er schaut aus seiner Höhle.

Wird er vom Licht geblendet, zieht er sich nochmal zurück –
für etwa sechs Wochen.

Diese Symbolik lebt bis heute weiter:

  • Grounddog Day, Murmeltier-Tag in Nordamerika (Wetterorakel)
  • Bauernregeln
  • Im Film „Täglich grüßt das Murmeltier“


Brauchtum – wenn Naturspiritualität lebendig bleibt

In fränkischen und alpinen Regionen zeigt sich das besonders schön zur Fastnacht in den traditionellen Umzügen mit :

  • Fleckerlasmännla
  • bunte Gewänder (weiß, schwarz, rot- Farben der großen Göttin)
  • Masken (Larfen)
  • perchtenähnlichen Gestalten


Sie treiben symbolisch den Winter aus
und holen den Frühling zurück.

Der „Löl“ – ein in Stroh gekleideter Mensch – steht für den Bären und wird in diesen Traditionsumzügen vertrieben mit "Schlägen"

Diese wilden Gestalten gibt es in vielen Kulturen, z.B. in Bulgarien.


Schläge (geben und empfangen) sollen:
👉 Lebenssaft und Fruchtbarkeit anregen

Das ist kein „Spaßbrauch“, sondern tief verwurzelte Symbolik.


Fastnacht, Fasten und Reinigung

Aus dieser Zeit heraus entstehen:

  • Fastnacht / Karneval
  • Fastenzeit

„Carne vale“ bedeutet:
👉 ohne Fleisch

Viele Christen beginnen nach Fasching ( ab Aschermittwoch) zu fasten, bis Karfreitag.

In diese zeit fällt auch die Starkbierzeit, denn die Mönche sagten: Flüssiges bricht das fasten nicht. auch fand man  andere Möglichkeiten diese lange zeit ohne Fleisch und andere Genussmittel zu überwinden. Als Beispiel seien nur die Maultaschen genannt indenen man das Fleisch versteckte.


Fasten ist mehr als Religion:

👉 Reinigung (nach den eingemachten Nahrungsmitteln im Winter)
👉 Entlastung
👉 Raum schaffen


Auch naturspirituell passt das:

Zum Beispiel durch:

  • Birkensaft (gewonnen aus dem Baum – achtsam aus einem  angeschnittenen Ast und nur bei eigenem Baum !)


Lichtmess – die kirchliche Ebene

Am 2. Februar feiert die Kirche Lichtmess. In der katholischen Kirche wird der Christbaum auch bis Lichtmess stehen gelassen- heutzutage macht das kaum jemand.

Früher hieß das Fest :
👉 Reinigung Marias

Man ging davon aus, dass Frauen nach der Geburt „unrein“ sind:

  • 40 Tage bei einem Sohn
  • 80 Tage bei einer Tochter

Bis heute:

  • Kerzenweihe
  • Lichtsymbolik

Hier zeigt sich deutlich:

👉 Alte Feste wurden übernommen und umgedeutet


Bäuerlicher Kontext – ein neuer Abschnitt beginnt

Zu Lichtmess:

  • wurden Knechte und Mägde gewechselt
  • endete das alte Arbeitsjahr
  • begann die Vorbereitung auf das Neue

Die Vorräte waren knapp,
die Ernährung war einfach.

Und doch:

👉 Die Arbeit begann wieder. Die Planung für das Neue Jahr stand grob schon fest.


Wetterregeln – Beobachtung statt Theorie

Typische Bauernregeln:

Ist’s an Lichtmess hell und rein,
wird ein langer Winter sein.

Wenn es aber stürmt und schneit,
ist der Frühling nicht mehr weit.

oder

Ist’s zu Lichtmess klar und hell,

kommt der Frühling nicht so schnell.

oder

Sonnt sich der Dachs in der Lichtmess-Woch’,

kriecht er noch sechs Wochen in sein Loch.

👉 Naturbeobachtung statt Kalenderwissen


Irland – Brigid und das Jahresrad

In Irland wurde Imbolc christianisiert:

Die heilige Brigid von Kildare (†523)
wird am 1. Februar gefeiert.

Das bekannte Birgidskreuz:

  • war ursprünglich kein christliches Symbol
  • sondern ein keltisches Jahresrad
  • mit den vier Himmelsrichtungen

👉 Auch hier:
Der Ursprung bleibt – der Name ändert sich


Die eigentliche Bedeutung von Imbolc

Imbolc ist kein Frühlingsfest.

Es ist:

  • Vorbereitung
  • Reinigung
  • inneres Erwachen

Der Moment, in dem sich entscheidet:

👉 Was darf wachsen?
👉 Und was bleibt zurück?


Fazit

Imbolc wird unterschiedlich gefeiert:

 🍀 Irisch: 1. Februar
⛪️ Kirchlich: 2. Februar (Lichtmess)
🌿 Naturspirituell: zweiter Vollmond nach der Wintersonnwende


Doch unabhängig vom Datum geht es immer um dasselbe:

👉 Das zurückgekehrte Licht
👉 den Beginn eines neuen Zyklus
👉 und die Fruchtbarkeit des Lebens


Und wenn du merkst, dass das hier mehr ist als „nur ein Fest“,

dann schau dich ruhig weiter um
– der Jahreskreis hat noch ein paar Wahrheiten für dich auf Lager.

Deine

Kerstin Rosly Hirsch

Teilen

Wenn du weiterlesen möchtest, wie aus diesem ersten inneren Erwachen schließlich sichtbares Wachstum wird, lies auch meinen Beitrag zu [Ostara und der Frühlings-Tagundnachtgleiche].

von Kerstin Hirsch 11. November 2024
Der Efeu - Ein Pflanzenpotrait
von Kerstin Hirsch 30. Oktober 2024
Auch ich lerne dazu
von Kerstin Hirsch 8. Februar 2024
Unsinniger Donnerstag und das Abschneiden der Krawatten
von Kerstin Hirsch 30. Oktober 2023
was nun: Samuin /Dûacsunno/ Halloween ?
von Kerstin Hirsch 14. Juni 2023
Die Wirkung der Energien
von Kerstin Hirsch 1. Mai 2023
Walpurgis und die Hexen
von Kerstin Hirsch 30. Januar 2023
Hornung, Fläcklasmännla und der Löl
von Kerstin Hirsch 9. November 2022
St. Martin und was sonst noch am 11. 11 los ist
Rote Eier zu Ostara
von Kerstin Rosly Hirsch 16. März 2022
Was ist Ostara wirklich? Bedeutung, Ursprung und Verbindung zu Ostern verständlich und klar erklärt.
von Kerstin Hirsch 12. November 2021
Zwischen Tradition und Naturspiritualität
Show More