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Beltane Bedeutung – Ursprung, Walpurgis und die Verwirrung rund um den 1. Mai

Beltane
Es gibt kaum ein Fest, bei dem so eine einhellige Verwirrung besteht und bei dem so viele Dinge miteinander vermischt werden wie bei Beltane.
Walpurgis oder Walburgis feiern sie, Beltaine oder Beltane, dazu noch Hexenflug, Brocken, Maibaum, Tanz in den Mai, Freinacht und Fruchtbarkeit.
Und das alles in der Nacht zum 1. Mai. Ja mei. Da wundert einen irgendwann gar nichts mehr.
Aber was ist dieses Fest Beltane denn genau?
Ist es das Fliegen um den Brocken, das Treffen der Hexen? Nun ja, da hilft auch kein Gundermannkranz um den Kopf und kein Bilsenkrautbier, denn der magische Flug kann nicht an einem Kalendertag gelingen. Schon gar nicht an einem Kalendertag des gregorianischen Kalenders, der erst seit 1582 existiert.
Dass man heutzutage in Irland Beltaine am 1. Mai feiert, ist aus meiner Sicht nur ein Schatten des ursprünglichen Festes.
Was ist Beltane oder Beltaine?
Der Name Beltane stammt aus dem Irischen Beltaine, was übersetzt so viel wie helles Licht bedeutet. Auch im gälischen Wort Cètsamuin findet sich diese Anspielung, denn es bedeutet der "erste Sommerliche".
Beltane war ein Fest, das die Fruchtbarkeit feierte. Man sprang über das Feuer, Frauen und Männer trugen Weißdorn- oder Gundermannkränze. Man traf sich in den Schanzen der Kelten und schaute sich seinen Partner aus. Nach oder auch schon während der Feier hatte man sein Stelldichein im Graben.
Wer in Deisenhofen die Doppelschanze besucht und tief in die Energie eintaucht, kann das noch spüren.
Da ist die männliche Schanze mit Ahorn, Tanne und Fichte, und da ist die weibliche Schanze mit Birke und Kiefer. Der Graben dazwischen lädt zum Verweilen ein. Es war ein ausschweifendes Fest beider Geschlechter. Es ging darum, die Vereinigung in Mensch und Natur zu feiern. Und natürlich die Fruchtbarkeit.
Aber auch die Vereinigung der Mutter Erde mit dem Sonnengott des Himmels.
Beltane ist auch ein Fest des Lichtes, denn nun ist endlich Vollfrühling, wenn man sich nach dem phänologischen Kalender richtet. Erkennbar an den Wiesen voller Löwenzahn und am Gundermann, der sich aufrichtet und seine blauen Blüten zeigt.
Auch der Weißdorn fängt nun das blühen an.
Wann ist Beltane wirklich?
Gefeiert wurde dieses Beltane-Fest wahrscheinlich am 5. Vollmond nach Yule beziehungsweise nach der Wintersonnenwende. Im Jahr 2023 war das der 5. Mai um 6.36 Uhr in 2026 ist es der 1.Mai um 19: 23 (MESZ), in anderen Jahren war es nicht so nah am Kalender, z.B. in 2025 war es der 12.5.
Und genau da liegt der Hund begraben: Beltane ist ursprünglich kein starres Kalenderfest. Es ist ein Mondfest. Ein bedeutendes Fest. Und diese alten Mondfeste folgen eben nicht brav dem Blatt im Küchenkalender.
Beltane als Fest der Fruchtbarkeit
Beltane feiert die Fruchtbarkeit, die rote Frau, die nach der weißen, jungfräulichen Qualität von Imbolc nun bereit ist, sich mit dem Sonnengott zu vereinen. Es geht um die Vereinigung männlicher und weiblicher Prinzipien. Wild und frei. Nicht geschniegelt, nicht geschniegelt mit Schleifchen, sondern urig, körperlich und voller Leben.
Es gab und gibt viele Rituale dazu. Im Kern feiert man aber die Kraft des Lebens selbst.
Das Ausschweifende, das Sinnliche, das Bacchantische eines Maitanzes trägt viel von dieser Beltane-Energie in sich.
Walpurgis ist nicht Beltane
Walpurgis, das in der Nacht auf den 1. Mai gefeiert wird, ist aus meiner Sicht ein komplett anderes Fest.
Die erste Walpurgisnacht wurde wohl von Johannes Praetorius im Jahr 1668 erwähnt, dort aber eher als Gegenveranstaltung zur heiligen Walpurgis. Auch Goethe hat sie niedergeschrieben und Mendelssohn Bartholdy vertonen lassen. In dieser Ballade geht es aber hauptsächlich um Druiden, auch wenn es einen Chor der alten Weiber gibt, die später gern als Hexen stilisiert wurden.
Natürlich soll diese Ballade auf dem sagenumwobenen Teufelsritt um den Brocken im Harz basieren. Schon um 1400 gibt es Berichte von einem Hexensabbat. Diese schriftlichen Niederlegungen waren später auch Grundlage der Hexenprozesse. Ein festes Datum, wann diese Hexensabbate stattfanden, gab es dabei aber nicht wirklich.
Man kann natürlich in Gedenken an all die Hexen, Zaunreiterinnen, Hagazussa, Heilerinnen und Frauen feiern, die verbrannt wurden, und ihnen so huldigen.
In vielen Wicca-Festen findet man genau diesen Hintergrund. Oft ist es dann aber eher ein feministisches Fest und schließt die Teilnahme von Männern komplett aus. Das hat für mich wenig mit dem Beltane-Fest und seiner Fruchtbarkeitsenergie zu tun.
Der oft damit verbundene Hexensabbat ist wieder etwas anderes. Er steht eher in Bezug auf die beschriebenen Hexenzusammenkünfte und Feiern auf dem Brocken oder Blocksberg.
Als Hexe sollte man aus meiner Sicht eher Hexensabbat feiern und nicht Walpurgis, das für Hexenbrennen und Hexenvertreiben steht.
Wer war Walburga?
Wenn man bei Walburga an die am 1. Mai heilig gesprochene Äbtissin denkt, dann sollte man sich auch fragen, wem man da eigentlich huldigt.
Walburga wurde um 710 in Wessex in Südengland geboren. Sie verließ etwa Mitte des 8. Jahrhunderts ihre Heimat, um mit einigen Gefährtinnen in Deutschland als Missionarin zu wirken. Im Jahr 761 übernahm sie als Äbtissin ein Benediktinerkloster in Heidenheim.
Sie wird zur Heilbringung angerufen, aber auch gegen Verhexung und als Schutz gegen den Hexenflug. Der 25. Februar 779 gilt als ihr Heimgang zu Gott und an diesem Tag wird sie auch in der Kirche gefeiert. Der 1. Mai ist der Tag, an dem ihre Gebeine nach Eichstätt überführt wurden. Sie soll auch an diesem Tag heiliggesprochen worden sein.
Sie wird oft mit einem Ölfläschchen dargestellt. In Eichstätt kann man ihre Gebeine besuchen und dort auch das Heilöl erwerben. Dabei handelt es sich um Gutationswasser aus ihrem Sarkophag.
Andere sehen in Walpurga einfach die Nichte von Bonifatius, dem Donar-Eichen-Schänder. Ob man sie oder die andere mit B oder mit P schreibt, hat sich bis heute nicht wirklich klären lassen.
Das süddeutsche Walpern vom 30. April auf den 1. Mai sollte aus christlicher Sicht den Folgen des Hexentreibens entgegenwirken.
In manchen Regionen versteht man darunter aber auch einfach das Scherzetreiben.
Manche denken bei Walburga nicht an die Äbtissin, sondern an das Wort Wal als groß und Burgis als Bauch oder Burg und damit an die Gebärmutter, den Schoß der Erdenmutter.
Dann haben sie zumindest den Sinn des ursprünglichen Festes verstanden.
Jüngste Forschungen bringen auch den Begriff Wall als Schutzwall mit in die Diskussion und das Ringheiligtum von Pömmelte. Auch wenn ich dort selbst war, kann ich dazu nicht wirklich etwas sagen.
Aber auch dort soll es ein lustbares Vereinigungsfest gegeben haben, und der Wall soll eine Art Sichtschutz gewesen sein. Und das schon Ende des 3. Jahrtausends vor Christus.
Maibaum und Maikönigin
Schauen wir lieber auf das traditionelle Maibaumaufstellen. Das folgt durchaus dem Geist des Beltane-Festes, nämlich der Vereinigung von Mann und Frau.
Der Baum ist ein phallisches Symbol, der Ring ein Symbol der Vulva. Aufgestellt wird mit Manneskraft. In unserer Region werden dazu meist Fichten aufgestellt, manchmal auch Föhren, im Norden Europas eher Birken.
Oft werden junge Birken der angebeteten an die Eingangstür gestellt im ländlichen bereichen.
Das ist Brauchtum. Genauso wie das Krönen der Maikönigin und des Maikönigs. Von einer Hochzeit ist im ursprünglichen Fest aber keine Rede. Das wurde später eher den Sitten angepasst. Früher ging es schlicht um die sexuelle Vereinigung.
Kränze aus Weißdorn krönen die Königin, die die Göttin Erde symbolisiert. Weißdorn hat einen aphrodisierenden Duft, gilt als Torwächter des Herzens und vermag wunde Herzen wieder zu öffnen.
In jedem Brauchtum, vor allem im bäuerlichen Kontext, steckt etwas Ursprüngliches. Das Ausschweifende und teilweise Bacchantische eines Maitanzes hat schon sehr viel von Beltane.
Freinacht und Scherzen
Nun zum Scherzen in dieser Nacht, dem Necken und Verstecken.
In Süddeutschland nennt man das Scherzen nicht Walpern, so nennt man es eher im Rheinland, sondern Freinacht.
Diese Tradition ist eigentlich aus dem Beitritt zum Militär entstanden. Man hat den jungen Burschen in dieser Nacht eben alles durchgehen lassen. Erst später wurde das auf die Allgemeinheit ausgeweitet. Etwas Ähnliches findet man ja auch beim sogenannten Vatertag.
Es ist also eher ein netter Zeitvertreib, der Mut und männliche Leichtigkeit feiert. Heutzutage ist es aber nicht mehr auf Jungs begrenzt, sondern eher auf Jugendliche beider Geschlechter.
Tanz in den Mai,
1. Mai und meine Haltung dazu
Am Sonntag, dem 30. April, feiert man den Tanz in den Mai. Der folgt dem Kalender, der Tradition und dem Brauchtum.
Die Feiern am 1. Mai sind wiederum sozialistischen Ursprungs. Es ist der Tag der Arbeit, und die Arbeiter ruhen sich an diesem Tag aus. Dazu kommen politische Kundgebungen, um auf Missstände hinzuweisen. So gibt es um dieses Datum neben dem ausgelassenen Maitanz eben auch kritische Veranstaltungen.
Ich feiere den Tanz in den Mai ganz traditionell, aber nie Walburgis.
Da ist mir zu viel Hexenvertreiben dabei, und auch der Ausschluss der Männer ist für mich nicht nachvollziehbar.
Dafür feiere ich dann am Vollmond Beltane. Und da dürfen auch Männer dabei sein.
Vorher gehe ich um Mitternacht noch den Lerchensporn für Amulette ausgraben.
Wenn du tiefer in den natürlichen Jahreskreis eintauchen möchtest, dann lies auch meine Beiträge zu Imbolc, Ostara und Samhain oder stöbere weiter hier im Blog. Da wartet noch mehr altes Wissen, das nicht für den Kalender gemacht wurde.
Kerstin Rosly Hirsch
Jahreskreisfeste in München erleben .